BESCHREIBUNG

Was ist Agroforstwirtschaft?
Agroforstwirtschaft ist eine Form der Landnutzung in Mischkultursystemen, die Elemente der Landwirtschaft mit denen der Forstwirtschaft kombiniert. Kernidee aller Agroforstsysteme ist der gleichzeitige Anbau von Gehölzen und klassischen landwirtschaftlichen Produkten auf einer Fläche. Die dabei entstehenden synergistischen Effekte sollen eine effektivere und nachhaltigere Landnutzung bewirken. Man unterscheidet silvoarable Systeme (Gehölze und Ackerbau) und silvopastorale Systeme (Gehölze und Grünland/Weidenutzung), wobei eine Vielzahl von Kombinationen und Nutzungen bekannt sind.

Agroforstwirtschaft wird weltweit seit Jahrtausenden praktiziert. Besonders groß ist die Vielfalt der Systeme in den Tropen. Auch im Süden und Südwesten Europas sind derartige Systeme (z. B. Korkeichen/Schweinezucht/Feldbau) heute noch verbreitet. Von den zahlreichen traditionellen Formen in Mitteleuropa besteht heute jedoch nur noch der Streuobstanbau in nennenswerten Ausmaßen.

In den letzten Jahren ließ sich ein vermehrtes Interesse an Agroforstsystemen feststellen. Ursächlich hierfür ist das verstärkte Bewusstsein der Notwendigkeit einer nachhaltigen Landbewirtschaftung mit dem Ziel der langfristigen Erhaltung der Produktionsfunktion unserer hochertragreichen Agrarflächen. Interessant ist vor diesem Hintergrund insbesondere die Sonderform des alley cropping. Hierbei werden Bäume in Reihen in maschinengerechten Abständen im Wechsel mit landwirtschaftlichen Nutzpflanzen in den Reihenzwischenräumen angebaut.

Agroforstsysteme für die Energieholzproduktion
Großes Potenzial zur Verknüpfung sowohl ökonomischer als auch ökologischer Aspekte bietet der Anbau von Energieholzstreifen auf landwirtschaftlichen Flächen. In dieser Sonderform des alley cropping werden schnellwachsende Baumarten wie Pappel oder Weide in regelmäßig angeordneten, heckenartigen Gehölzstreifen in die Agrarlandschaft integriert.

Da die Breite der Acker- und Gehölzstreifen frei variabel ist und an die vorhandene landwirtschaftliche Technik angepasst werden kann, sind die Systeme sehr flexibel und gut an die herkömmlichen Bewirtschaftungspraktiken adaptierbar. In Deutschland nehmen zur Energieholzproduktion dienende Agroforstsysteme bislang nur einen geringen Flächenanteil ein. Ein Ausbau dieser Form der Energieholzproduktion ist wünschenswert, da alley cropping nicht nur die zeitgleiche Produktion von Ackerkulturen und Energieholz auf dem gleichen Schlag erlaubt, sondern zudem ökologische Vorteilswirkungen bezüglich Erosionsschutz, Humusakkumulation, Biodiversität, Mikroklima etc. bietet.

Agroforstsysteme auf Ackerland vereinen verschiedene Funktionen wie die des Biotopverbundes (Hecken), des Erosionsschutzes (Windschutzstreifen), der Energie-(Kurzumtriebsplantagen) und Nahrungsmittelproduktion (herkömmliche Landwirtschaft). Keine der vier aufgeführten Aufgaben ist dabei - für das jeweils einzelne Ziel - optimal gelöst. Agroforstsysteme stellen einen Kompromiss dar, bei dem allerdings die Produktionsfunktion der Fläche sowohl für die holzige als auch für die landwirtschaftliche Komponente im Vordergrund steht, aber zudem noch zusätzliche Ziele der Flächennutzung bedient werden.

Das Projekt AgroForstEnergie
Sowohl die Quantifizierung der ökologischen Vorteilswirkungen als auch die ökonomische Bewertung von Agroforstsystemen mit Energieholz erfordern fundierte wissenschaftliche Untersuchungen. So werden derartige Systeme im Rahmen des Forschungsprojektes „AgroForstEnergie“ auf verschiedenen Standorten hinsichtlich Wuchsverhalten und Ertrag, Bestandsinteraktionen, Mikroklima, Stoffkreisläufen sowie Biodiversität eingehend untersucht und bewertet. Das übergeordnete Ziel des laufenden Projektes ist es, Vorteile und gegebenenfalls auch Nachteile von Agroforstsystemen mit Energieholz hinsichtlich Landschaftsstruktur, Bodenschutz und -entwicklung sowie Vielfältigkeit des landwirtschaftlichen Lebensraumes aufzuzeigen und Konzepte zu deren betriebswirtschaftlicher Optimierung abzuleiten. Dazu wurden an  fünf Standorten mit unterschiedlichen Ausgangsbedingungen großflächige (20 bis 50 ha) Agroforstsysteme mit differenzierter Fragestellung angelegt.

VORTEILE UND CHANCEN
der Agroforstwirtschaft mit Energieholz
NACHTEILE UND RISIKEN
Mögliche Ertragserhöhung der landwirtschaft-lichen Komponente im Vergleich zur Reinkultur Mögliche Ertragsminderung der landwirt-schaftlichen Komponente im Vergleich zur Reinkultur
Steigerung des Energieholzertrages im Vergleich zur flächigen Kurzumtriebsplantage Energieholz: Langfristige Festlegung von Kapital
Erweiterung der Fruchtfolge zur Verbesserung des Einkommens-Portfolios Energieholz: unflexible Teilnahme am Marktgeschehen im Vergleich zu einjährigen Kulturen
Produktion eines zunehmend nachgefragten Energieträgers Pachtlandproblematik (Vertragslaufzeiten sind meist kürzer als die Gesamtlebensdauer einer KUP)
Verbesserung der Nutzbarkeit von Grenzstandorten Mögliche Behinderung der agrotechnischen Maßnahmen (KUP-Streifen schaffen mehr Ackerränder)
Mögliche zusätzliche Quelle für Nützlinge Mögliche zusätzliche Quelle für Schädlinge und Unkräuter
Schattenwirkung (positiv bei Tierhaltung) Möglicher Verwaltungsmehraufwand
Erhöhung der Struktur- und Artenvielfalt, stabile Ökosysteme  
Verringerung der Bodenerosion (Wind und Wasser)  
Verringerung der Verdunstung  
Verringerung des Pflanzenschutzeinsatzes und Verbesserung der physikalischen und biologischen Eigenschaften der Böden  
Aufwertung des Landschaftsbildes insbesondere in ausgeräumten Agrarlandschaften